Newsletter »Semester Eins« Dieser Semester-Rückblick wird den Rest des Studiums erleichtern
Das erste Semester ist geschafft. Gerade jetzt kann sich ein Blick zurück lohnen – mit ein paar gezielten Fragen. Und Vorsätzen, die nicht nur mit Lernen zu tun haben.
02.03.2026, 15.06 Uhr
Rahel Süßkind / DER SPIEGEL
Du hast es geschafft: dein erstes Semester. Verständlich, wenn du erst mal nichts mehr von Prüfungen, Referaten, Hausarbeiten wissen willst. Vielleicht kommst du zu diesem Newsletter erst kurz vor dem nächsten Semesterstart zurück.
Oder du nutzt das letzte bisschen Energie, um mit diesem Semester abzuschließen. Denn gerade jetzt lohnt ein Blick zurück. Wie war dein erstes Semester? Du hast vermutlich viel geschafft: die erste Vorlesung, das erste Gruppenreferat, die erste Prüfung, die erste Hausarbeit, die erste Nachtschicht in der Bibliothek.
Auf jedes dieser ersten Male solltest du stolz sein. Selbst, wenn mal etwas nicht geklappt hat. In jedem Fall kann ein Rückblick auf dein bisheriges Studium helfen. Denn in den nächsten Semestern warten genug Gelegenheiten auf dich, deine Erfolge zu wiederholen – und die Misserfolge abzuschütteln.
Der Studienberater Tim Reichel empfiehlt für den Blick zurück die »SWOT-Analyse«. Sie kommt aus dem Projektmanagement und hat deswegen einen leichten BWL-Touch, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen.
SWOT steht für:
S: Strengths (Stärken)
W: Weaknesses (Schwächen)
O: Opportunities (Chancen)
T: Threats (Risiken)
Damit kannst du deine aktuellen Fähigkeiten analysieren (Stärken und Schwächen), damit auf deinen Studienverlauf schauen (Chancen und Risiken) und daraus eine Strategie für die zukünftigen Semester ableiten.
Stärken
Du könntest dich zum Beispiel fragen: Was mache ich im Moment richtig gut? Was unterscheidet mich von meinen Kommiliton:innen? Was hat meine Professorin an mir gelobt? Für welche Klausuren musste ich wenig lernen? Welche Eigenschaften zeichnen mich aus?
Schwächen
Hier helfen Fragen wie: In welchen Kursen hatte ich große Schwierigkeiten? Verfüge ich über negative Verhaltensmuster? Für welche Eigenschaften werde ich häufig kritisiert? Warum bin ich hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben? Habe ich vielleicht zu viel prokrastiniert?
Chancen
Als Nächstes schaust du auf Chancen in deinem weiteren Studium. Es geht darum, Stärken auszubauen und Schwächen aufzuholen. Frage dich etwa: Welche Kurse könnte ich wählen, die meine Interessen widerspiegeln? Welches Umfeld fördert meine guten Eigenschaften? Wie kann ich Wissenslücken aufholen?
Diese Fragen musst du nicht allein beantworten, Studienberater:innen, Kommiliton:innen oder Dozierende können helfen.
Risiken
Nun benennst du mögliche Risiken: Was könnte mich überfordern? An welchen Prüfungen könnte ich scheitern – und warum? Zugegeben: Die Überlegungen dieser Kategorie können ein bisschen runterziehen. Sie sind aber wichtig, um zukünftig bessere Entscheidungen zu treffen. So solltest du vielleicht lieber keine Spezialisierung in einem Bereich wählen, der dir besonders schwerfällt. Oder für eine herausfordernde Prüfung oder ein arbeitsintensives Modul genug Zeit einplanen.
Je ehrlicher du bei deiner SWOT-Analyse zu dir selbst bist, desto besser werden die Lösungsideen. Und die nächsten Semester fliegen dir zu.
Gute Vorsätze fürs neue Semester
Es soll in deiner Reflexion aber nicht nur um deinen künftigen Studienerfolg gehen. Zur Uni gehört schließlich mehr. Unsere Kolumnistin Ananda Klaar hat sich nach ihrem ersten Studienjahr gute Vorsätze gefasst, die nichts mit Lernplänen oder Mitschriften zu tun hatten.
Sie nahm sich eine bessere Uni-Life-Balance vor: Nach langen Tagen an der Uni war sie oft zu erschöpft, um Freund:innen zu treffen. Oder ihre Gespräche drehten sich zu häufig um Kurse, Prüfungen und Hausarbeiten.
Dagegen hat sie ein einfaches Mittel: »Wenn wir uns außerhalb des Campus treffen, reden wir automatisch weniger über die Uni – das hilft beim Abschalten.« Ananda nahm sich vor, deshalb in der WhatsApp-Gruppe öfter nach spontanen Treffen am Dönerladen um die Ecke, in der Boulderhalle oder in der Stammkneipe zu fragen. Und dort mit ihren Freund:innen über das zu sprechen, was sie außerhalb des Studiums ausmacht.
Ein weiterer Vorsatz von Ananda: langfristiger Denken. Wenn man neu an der Uni ist, verleiten die Semester dazu, nur in Halbjahresschritten zu denken. Doch wie soll der Rest deines Bachelors aussehen? Welche Lehrveranstaltungen willst du unbedingt noch belegen? Welche Termine und Fristen darfst du nicht übersehen? Und eine Frage, die Ananda besonders wichtig war: Wann ist es Zeit, den Auslandsaufenthalt zu organisieren?
Hier kannst du alle von Anandas Vorsätzen nachlesen. Auch der Studienberater Tim Reichel hat hier Vorsätze gesammelt, die nichts mit Noten zu tun haben – etwa mehr Sonne, weniger Bildschirmzeit.
Viel Spaß beim Reflektieren wünscht
Tanya Falenczyk, Redakteurin SPIEGEL Start
Schon Pläne für die Semesterferien? Du musst nicht unbedingt die große Reise planen (worauf du dabei achten musst, könntest du aber hier nachlesen ), dabei kann ohnehin ziemlich viel schiefgehen . Auch zu Hause kannst du deinen Horizont erweitern – wie wäre es mit einem neuen Hobby? Promis wie Stefanie Giesinger und Langston Uibel haben hier erzählt, wo sie Ausgleich finden, wenn sie mal nicht performen.
Das kommt jetzt
Mit deinem ersten Semester ist auch dieser Newsletter vorbei. Alle bisherigen Folgen von »Semester Eins« findest du hier. Ich hoffe, unsere Tipps konnten dich gut durch deinen Start an der Uni bringen.
Ab jetzt erhältst du jeden Donnerstag unseren Startklar-Newsletter mit weiteren Texten rund ums Studium. Dort geht es etwa darum, wie man den Drittversuch einer Prüfung besteht, warum Studierende gerade so lange auf ihr Bafög warten oder wie man das Beste aus den scheinbar unendlichen Möglichkeiten der Zwanziger herausholt.
Wenn du Fragen zum Studium hast, die wir noch nicht beantwortet haben, schreib uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .

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