Paralympics 2026: Das sind die größten deutschen Medaillenhoffnungen f

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 Start in fünf Disziplinen um paralympische Medaillen
 Start in fünf Disziplinen um paralympische Medaillen

Anna-Lena Forster: Start in fünf Disziplinen um paralympische Medaillen

Foto: GEPA pictures / Wolfgang Kofler / IMAGO

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»Unser Anspruch ist es, bei der Gesamtzahl der Medaillen unter die Top sechs zu kommen«, sagt der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), Hans-Jörg Michels.

Ein ambitioniertes Ziel für die Paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo.

Zwar starten 40 Athletinnen und Athleten für Deutschland, dazu kommen acht Guides. Im Ski alpin, im Biathlon und Langlauf, im Eishockey und Snowboard. Nur im Curling ist Deutschland nicht vertreten.

Aber: Die internationale Konkurrenz hat in den Para-Sport investiert, ist stärker geworden.

Vor vier Jahren in Peking gewann Deutschland vier Goldmedaillen, nur 1980 gab es weniger deutsche Paralympics-Sieger.

Hier kommen fünf Sportler und Sportlerinnen, die diesen Trend stoppen könnten.

Anna-Lena Forster, 30, Ski alpin sitzend

Foto: Frank May / Team D / picture alliance

Sie ist das Gesicht des deutschen Teams: Anna-Lena Forster. Weil sie mit neun Paralympics-Medaillen zu den erfolgreichsten Sportlerinnen gehört. Aber auch weil Forster unermüdlich über Inklusion spricht, sich für Barrierefreiheit einsetzt, die immer gleichen Fragen beantwortet.

Fünfmal wird Forster im Monoski in Cortina antreten. Jedes Mal gehört sie zum Favoritenkreis.

»Die Konkurrenz ist stärker denn je«, sagt Forster aber. »Die Ergebnisse des Weltcups muss man mit ein bisschen Vorsicht bewerten.«

Oft fehlen etwa die chinesischen Fahrerinnen. »Nach Peking sind sie wieder von der Bildfläche verschwunden, erst seit letzter Saison sind sie wieder dabei, aber das auch nur sehr vereinzelt«, so Forster. »Man weiß nie so richtig, wie sie gerade drauf sind.«

Es passt zu Forster, dass sich über die Konkurrenz geradezu freut. Weil sie der Sportart helfen könnten. »Die Spiele werden richtig spannend in unserer Klasse.«

Marco Maier, 27, Biathlon und Langlauf

Foto: Frank May / Team D / picture alliance

Marco Maiers sportliche Karriere war fast vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte.

Seit seiner Geburt fehlen ihm die vorderen Glieder an drei Fingern der linken Hand, einen Stock kann er so nicht halten.

Trotzdem entzog das Internationale Paralympische Komitee ihm für die Saison 2016/2017 die Starterlaubnis. Bei der Klassifizierung sei behauptet worden, »dass ich unter gewissen Umständen die Hand an den Stock tapen und diesen Stock einsetzen könnte«. Er hielt das für unmöglich.

»Es war super schwer und eine harte Zeit«, sagt Maier. Es habe »schon viel Überwindung und Kraft gekostet dranzubleiben, aber das Team hat mich einfach immer mitgezogen, wenn ich so ein Loch hatte.« Einen ganzen Winter verpasste er, ehe die Proteste Erfolg hatten.

Seitdem arbeitete er sich kontinuierlich in die Weltspitze vor. In Peking überraschte Maier mit Silber im Biathlon- sowie im Langlauf-Sprint. Danach gewann er noch sieben WM-Medaillen. In Tesero konzentriert sich Maier auf die Biathlon-Rennen, gilt als Mitfavorit.

»Zu sagen, dass es keinen Druck macht, wäre eine Lüge«, sagt Maier. »Es macht sehr, sehr viel Druck sogar. Einfach, weil man selbst weiß, was man kann.«

Er setzt sich deswegen große Ziele: Maier möchte die Leistungen von 2022 »bestätigen oder gar eins draufsetzen und eine Goldmedaille gewinnen«.

Kathrin Marchand, 35, Langlauf

Foto: Frank May / Team D / picture alliance

Als sich das Leben von Kathrin Marchand für immer veränderte, saß sie gerade auf dem Fahrrad. Marchand betrieb lange Leistungssport, war als Ruderin bei den Olympischen Spielen in London und Rio de Janeiro. 2016 beendete sie ihre Karriere, machte Sport nur noch als Hobby, zum Ausgleich.

Am 1. September 2021 wird beim Spinning ihre linke Körperhälfte taub, sie sieht nicht mehr richtig. Als Ärztin weiß sie sofort: Schlaganfall.

Seitdem hat sie Koordinationsstörungen auf der linken Seite, ihr Sichtfeld ist auf beiden Augen um ein Drittel reduziert. »Das war ein Schock, und es hat lange gedauert, damit klarzukommen«, sagte sie. »Aber jetzt nehme ich die Dinge so an, wie sie sind.«

Sie wechselte in den Para-Sport, startete im Para-Rudern bei den Spielen von Paris. Dann wurde sie vom DBS gefragt, ob sie nicht auch eine Wintersportart ausprobieren möchte, Skilanglauf etwa. Marchand reizte die neue Herausforderung.

Dabei galt: Entweder sie verbessert sich schnell oder sie lässt es wieder. »Ich bin zu alt, um mir das drei Jahre lang anzuschauen und dann erst anzugreifen«, sagte Marchand mal. Auf den ersten Videoaufnahmen, die sie in den sozialen Netzwerken veröffentlicht hat, stolpert sie mehr als sie läuft. Aber sie profitiert davon, körperlich fitter als viele andere Menschen zu sein. Bei ihrer Weltcup-Premiere im Februar 2025 wird sie sofort Vierte im Klassik-Sprint. Siegerin Vilde Nilsen soll danach zu ihr gesagt haben: „Du wirst nächstes Jahr verdammt gefährlich sein.«

Bei den Langlauf-Wettbewerben von Tesero startet Marchand nun im Sprint sowie im Rennen über zehn Kilometer in der klassischen Technik. Eine Medaille wäre keine Überraschung. Sportgeschichte wird sie ohnehin schreiben: Startet sie in den Langlauf-Wettbewerben von Tesero, wird sie die weltweit erste Athletin, die bei Olympischen Sommerspielen, Paralympischen Sommerspielen und Paralympischen Winterspielen angetreten ist.

Anna-Maria Rieder, 26, Ski alpin stehend

Foto: Frank May / Team D / picture alliance

Anna-Maria Rieder startet in allen Rennen, aber am stärksten fährt sie im Slalom. In dieser Disziplin gewann sie schließlich vor vier Jahren in Peking die Bronzemedaille, wurde 2025 WM-Dritte. Trotzdem scheut sie sich, Edelmetall als Ziel auszugeben: »Wenn ich mir ein Medaillenziel setzte und es nicht funktioniert, bin ich traurig. Das ist zu viel Druck«, sagte sie dem SPIEGEL im Januar.

In dieser Saison hatte sie Probleme, war krank, konnte die Leistung aus dem Training nicht im Rennen zeigen. »Eine Kopfsache«, so Rieder. Das bekam sie unter Kontrolle, im Slalom-Weltcup wurde sie letztlich punktgleich mit der schwedischen Siegerin Ebba Aarsjö Zweite. Eine Medaille geht nur über Rieder.

Johanna Recktenwald, 24, Biathlon und Langlauf

Foto: Frank May / Team D / picture alliance

Durch Zufall sei sie auf Biathlon und Langlauf gestoßen, erzählte Johanna Recktenwald mal in einem TED-Talk. Geboren im Saarland, nicht gerade für Schnee und Berge bekannt, stand sie erst mit 14 Jahren erstmals auf Skiern, in einem Schulteam für »Jugend trainiert für die Paralympics«. Später als viele ihrer Konkurrentinnen.

Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum lange andere Athletinnen auf dem Podium standen. Etwa ihre deutschen Teamkolleginnen Linn Kazmaier und Leonie Walter. In der vergangenen Saison gelang aber auch Recktenwald und ihrer Guide Emily Weiss der große Erfolg: Weltmeisterinnen im Biathlon-Einzel, drei Silbermedaillen. Als Gesamtweltcupsiegerin gehört die starke Schützin vorrangig im Biathlon nun zu den großen Medaillenanwärterinnen der Paralympics.

Mit Material von Agenturen

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