Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran wurden in den vergangenen Tagen mehrere Golfstaaten durch iranische Gegenangriffe getroffen. Als Reaktion darauf haben mehrere Länder im Nahen Osten ihren Luftraum vorübergehend geschlossen. Bis zu 30.000 Deutsche sind laut Reiseverband DRV von den Maßnahmen betroffen. Einige sitzen an Flughäfen oder auf Kreuzfahrtschiffen fest. Andere versuchen über den Landweg die Golfregion zu verlassen.
Dima, Influencer in Kairo
Vor drei Wochen bin ich mit meiner Frau und meiner vier Monate alten Tochter Eleyna nach Dubai ausgewandert. Wir hatten uns in Deutschland nicht mehr wohlgefühlt und auf ein besseres Leben gehofft.
Zuerst fanden wir Dubai sehr sicher. Meine Frau konnte nachts unbesorgt auf der Straße unterwegs sein, das gefiel uns. Wir haben die ersten Tage in einem Airbnb gewohnt und sind am Wochenende in unser neues Haus in Schardscha gezogen, einer Nachbarstadt von Dubai. Meine Follower konnten den Umzug miterleben. Am selben Tag gingen die Angriffe los. Wir hörten Explosionen von abgefangenen Raketen, so etwas kannten wir nur aus dem Fernsehen. Wir waren schockiert. Auch machten wir uns große Sorgen um Eleyna.
Weil der Luftraum über den Vereinigten Arabischen Emiraten gesperrt war, haben wir uns mit einem befreundeten Paar zusammengetan und sind mit dem Auto bis nach Oman gefahren. Von dort ging es im Flugzeug nach Medina in Saudi-Arabien und dann weiter nach Kairo, wo wir jetzt sind. Wir wollen zurück nach Deutschland und dortbleiben, bis sich die Lage beruhigt hat.
Von den Spannungen zwischen Iran, Israel und den USA wusste ich, aber ich hätte nicht gedacht, dass auch die Emirate in den Konflikt hineingezogen werden könnten. Auf Social Media gab es Anteilnahme für unsere Situation, aber auch viel Hass und Häme. „Ihr habt ja bombastisches Wetter in Dubai“, hieß es da. Ich kann das nicht verstehen. Plötzlich in einem Kriegsgebiet zu sein, wünsche ich niemandem.
Dima, 22 Jahre alt, arbeitet als Influencer und lebte vor seiner Auswanderung in die Vereinigten Arabischen Emirate in Berlin. Auf Instagram und Tiktok hat er kombiniert mehr als eine Million Follower.
Sven B., Kreuzfahrtreisender in Doha
Zwei Tage vor Beginn unserer Kreuzfahrt durch den Persischen Golf sind meine Freundin Katarina und ich in Doha angekommen. Wir wollten die Zeit in Katar noch gemeinsam genießen, bevor es am 1. März an Bord der MSC Euribia gehen sollte.
Eigentlich wollten wir über New York auf die Bahamas. Aber weil ich 2016 im Iran war, bekam ich kein kurzfristiges Visum. Deshalb haben wir schnell umgebucht. Ich hätte nicht gedacht, dass es in den Golfstaaten gefährlich werden könnte, und hielt Katar für sicher.
Am ersten Tag in Doha hatten wir eine Wüstentour geplant. Kurz bevor wir loswollten, gingen plötzlich die Katastrophenalarme auf unseren Handys los.
Erst konnte ich das überhaupt nicht einordnen. Ich dachte, da ist ein nervöser Zivilschutzmensch, der lieber einmal zu oft warnt als zu wenig. Kurz darauf bekamen wir dieselbe Meldung noch einmal. Uns wurde klar, dass wir uns an die Vorgaben halten sollten. Also blieben wir im Hotel. In unserem Zimmer hörten wir Donnern und sahen Rauchwolken am Himmel. Wir sahen Menschen draußen stehen, die suchend in den Himmel schauten. Spätestens da wusste ich, dass hier etwas vom Himmel fällt.
Auf Al Jazeera lief die Nachricht, dass iranische Raketen auf alle Golfstaaten abgefeuert wurden. Und in genau dem Moment habe ich eine Rakete direkt vor meinen Augen explodieren sehen. Es war ein merkwürdiges Gefühl, dass über unseren Köpfen plötzlich iranische Raketen flogen. Etwa alle 20 Minuten kam eine neue Welle. Die waren so nah, das können keine 500 Meter Entfernung gewesen sein.
Seitdem unsere Kreuzfahrt per SMS abgesagt wurde, gab es keine weiteren Informationen von MSC. Ich nehme ihnen das aber nicht übel. Wie sollen die auch spontan für 5000 Leute einen Plan B haben? Ich hoffe nur, dass die Rückabwicklung unkompliziert läuft.
Unser Rückflug geht am 8. März über Istanbul. Ob wir vorher rauskommen, hängt davon ab, wer zuerst starten darf, wenn sich der Luftraum wieder öffnet. Wir stellen uns erst mal darauf ein, open end hierzubleiben. Zum Glück habe ich meinen Laptop dabei und bin selbstständig.
Eigentlich sollte Sven B. gerade durch den Persischen Golf mit der MSC Euribia fahren. Stattdessen hängt er mit seiner Freundin in Doha fest, bis sich der Luftraum wieder öffnet. Dann soll es schnellstmöglich zurück nach Berlin gehen.
Tom Dickau, Musikproduzent auf Bali
Vier Wochen habe ich jetzt auf Bali in Indonesien verbracht. Eigentlich wollte ich heute, am 2. März, zurückfliegen. Da das nicht geht, bleibe ich erst mal hier.

© Jannis Brandt
Als ich am 28. Februar von den Angriffen auf den Iran hörte, habe ich mir zunächst keinerlei Gedanken gemacht. Erst am nächsten Morgen habe ich realisiert, dass auch mein Transitflughafen in Abu Dhabi betroffen ist. Da bin ich langsam nervös geworden und habe mich gefragt, ob ich am kommenden Tag wirklich fliegen kann. Ich habe meinen Flugstatus stündlich überprüft. Jedes Mal wurde mir angezeigt, dass alles planmäßig sei. Auf der Website der Fluggesellschaft stand allerdings, dass vom 28. Februar bis 1. März der gesamte Flugbetrieb eingestellt werde. Das hat mich zunehmend verunsichert.
Am Morgen meines Abflugs war ich dann schon um sechs Uhr wach. Keine fünfzehn Minuten später kam die Mail, dass mein Flug von Abu Dhabi nach Düsseldorf storniert wurde. Eine halbe Stunde später folgte die Bestätigung, dass ich gar nicht erst nach Abu Dhabi komme. Das letzte Update der Airline sagt, dass alle Flüge von und nach Abu Dhabi bis zum 3. März um 14 Uhr ausgesetzt sind. In den kommenden Tagen nach Deutschland fliegen zu können, daran glaube ich nicht.
Mein erster Gedanke war: Mist. Im nächsten Moment wurde mir jedoch klar, dass es gerade viele Menschen deutlich schlimmer trifft – insbesondere diejenigen, die unter Beschuss leben oder an Transitflughäfen festhängen. Also habe ich beschlossen, das Beste daraus zu machen, und mir für eine weitere Woche ein Airbnb auf der Insel gebucht.
Trotzdem möchte ich so schnell wie möglich hier weg, da ich auch die zusätzlichen Airbnb-Kosten selbst tragen muss. Für die kommende Woche wären neue Flüge immerhin nicht allzu teuer – etwa 340 Euro mit derselben Airline. Ich bin gespannt, ob ich zu meinem Geburtstag, am 10. März, zurück in Deutschland bin.
Der Musikproduzent Tom Dickau ist 26 Jahre alt und lebt in Köln. Anfang Februar ist er zum ersten Mal allein verreist – nach Bali, wo er eigentlich vier Wochen bleiben wollte. Auf dem Rückweg sollte er über Abu Dhabi nach Deutschland fliegen. Doch seit der Schließung des Luftraums sitzt er auf der indonesischen Insel fest.

vor 1 Tag
4










English (US) ·