meinung •Die Lage am Abend Des Kanzlers neue Sorgen
04.03.2026, 18.33 Uhr
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1. Der Irankrieg könnte Merz’ Kanzlerschaft prägen
Kanzler Merz: Etwas demütigende Trump-Show
Foto:Michael Kappeler / dpa
Es war kein Glanzauftritt, den Friedrich Merz am Dienstag im Oval Office hingelegt hat. Vielleicht war es auch schlicht nicht möglich, bei diesem Besuch zu glänzen. Darüber diskutieren unsere Leserinnen und Leser derzeit rege im Debattenbereich, diskutieren Sie gern mit.
Meine Kollegen Paul-Anton Krüger, Jonas Schaible und Christian Teevs aus dem Hauptstadtbüro gehen in ihrer Bewertung jedoch einen Schritt weiter: »Gut möglich«, schreiben sie, »dass diese etwas demütigende Trump-Show nur das kleinste der Probleme ist, die diese Intervention Friedrich Merz bereitet«.
Schließlich sei völlig offen, wie lange der Irankrieg dauern und welche Folgen er für Deutschland haben werde. Die gestiegenen Spritpreise sorgten bereits für Nervosität, ebenso die Angst vor einer neuen, länger anhaltenden Wirtschaftskrise.
Und sollte es in Iran zu einem Bürgerkrieg kommen, wäre sogar eine Massenflucht denkbar, schreiben meine Kollegen. Sie kommen zu dem Schluss, dass dieser Krieg die Kanzlerschaft von Friedrich Merz auf Dauer prägen könnte.
Die Sorgen vor negativen ökonomischen Folgen sieht auch Meinungsforscher Manfred Güllner, Geschäftsführer des Umfrageinstituts Forsa. »So glaubt rund die Hälfte der Bundesbürger, dass es aufgrund des Irankrieges zu Engpässen bei der Energieversorgung kommt, und über 80 Prozent erwarten, dass die Energie- und insbesondere die Benzinpreise stark steigen werden«, sagt er im Interview mit meiner Kollegin Anna Reimann. Die Deutschen blickten mit Sorge auf die jüngsten Entwicklungen, so Güllner. Befragungen zufolge hielten die meisten den Krieg der USA und Israels für falsch.
Lesen Sie hier das ganze Interview: »Die meisten Menschen halten den Krieg der USA und Israels für falsch«
Und lesen Sie hier die Analyse: Warum der Irankrieg für Merz zum echten Problem werden könnte
2. Wohin mit den VW-Milliarden?
Volkswagen-Betriebsratschefin Cavallo: Prämie für alle im Haustarif?
Foto:Julian Stratenschulte / dpa
Bei VW ist überraschend mehr Geld in der Kasse als erwartet. Das könnte ein Grund zur Freude sein, führt aber zu Streit: Die Betriebsratschefin Daniela Cavallo fordert, dass ein Teil des Geldes genutzt wird, um eine Anerkennungsprämie an jeden Mitarbeiter im VW-Haustarif zu zahlen. Der Vorstand weist die Forderung bislang zurück und wehrt sich mit einem Rechtsgutachten, berichtet mein Kollege Alexander Demling .
Das Argument: So eine Prämie dürfe nicht vor der Betriebsratswahl in der kommenden Woche festgelegt werden; das könnte die Wahl beeinflussen. Cavallo hält dagegen: Bei vergangenen Betriebsratswahlen sei die Höhe des Bonus auch wenige Tage vorher festgelegt worden.
Doch woher kommt der unerwartete Geldsegen eigentlich? Im Januar teilte der Konzern mit, Ende 2025 seien rund sechs Milliarden Euro mehr Netto-Cashflow zusammengekommen, als noch wenige Wochen zuvor signalisiert worden war. Cashflow ist nicht mit Gewinn zu verwechseln: »Anders als der Gewinn lässt sich der Cashflow zu einem bestimmten Stichtag mit kurzfristigen Maßnahmen gestalten. Er entspricht, vereinfacht gesagt, einer höheren Bargeldsumme im Portemonnaie, während der Gewinn eher mit einem nachhaltigen Vermögenszuwachs vergleichbar ist«, schreibt Alexander in seinem Bericht.
Bereits Anfang Februar hatte er über die Überraschungsmilliarden berichtet – auch über die Erzählung, sie seien womöglich herbei getrickst, um höhere Boni an die Vorstandsmitglieder zahlen zu können. »Hier wird es aber kompliziert, denn die Höhe der Boni hängt von verschiedenen Faktoren ab, der Netto-Cashflow ist nur einer davon«, erklärt mir Alexander. Wie viel gezahlt werde, sei noch gar nicht klar; vermutlich blieben die Boni insgesamt niedriger als in den Jahren davor.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Der Streit über Volkswagens Milliarden eskaliert
3. Unser schweres Problem
South_agency / Getty Images
Heute ist Welt-Adipositas-Tag. Wer nun meint, der beträfe nur einen Teil der Gesellschaft, dem lege ich die Berichterstattung meiner Kolleginnen zum Thema Adipositas ans Herz. Zwei Interviews präsentieren wir Ihnen heute zum Aktionstag noch einmal. Nach deren Lektüre wird klar: Übergewicht ist kein Privatproblem, sondern eines, das wir gemeinsam in Angriff nehmen und lösen müssen.
Als ersten Text empfehle ich das Interview meiner Kollegin Jule Lutteroth mit dem Arzt und Stoffwechselforscher Tim Hollstein. Gleich zu Beginn des Gesprächs sagt der Experte: »Mir ist wichtig, klarzumachen: Adipositas ist kein Problem von Willensschwäche, sondern ein Problem unserer Umgebung und unserer biologischen Programmierung. Menschen können nichts dafür, wenn sie adipös sind, sie sind nicht faul oder ›doof‹, sie haben eine Krankheit.« Er erklärt, welchen Einfluss der Stoffwechsel hat und sagt, wie man ihn positiv beeinflussen kann.
Anna Lene Seidler, Professorin an der Universitätsmedizin Rostock, hat mit meiner Kollegin Veronika Hackenbroch darüber gesprochen, was Kinder vor Adipositas schützt . Die Wissenschaftlerin erklärt, weshalb Schulungsprogramme für Eltern oft nicht wirken und warum den Familien anders geholfen werden muss: »Wenn wir Adipositas bei Kindern vorbeugen wollen, reicht es darum nicht, die Eltern zu belehren. Wir müssen die Lebensumstände, die Rahmenbedingungen ändern!«
Politische Maßnahmen wie eine Zuckersteuer, ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel, sichere Schulwege oder ein gesundes Schulessen, das für alle kostenlos ist, wären ihrer Ansicht nach erfolgversprechender. Lesen Sie hier das ganze Interview.
Lesen Sie hier mehr: So bringen Sie Ihren Stoffwechsel auf Trab
Was heute sonst noch wichtig ist
Bombendrohungen in Augsburg und Bremen – Hauptbahnhöfe wieder freigegeben: Menschen mussten das Gelände verlassen, Züge standen still: In Bremen und Augsburg evakuierten Polizisten vorübergehend die Hauptbahnhöfe. Ob es einen Zusammenhang der Bombendrohungen gibt, ist unklar.
Tuttle bleibt Berlinale-Chefin – mit neuen Vorgaben: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte die Absetzung von Berlinale-Chefin Tricia Tuttle forciert, die Kulturszene rebellierte. Nun bleibt sie im Amt, wird aber künftig wohl von einem »beratenden Forum« unterstützt.
Abriss des Grenfell Towers wegen Handabdrücken gestoppt: Ein Brand im Londoner Grenfell Tower tötete 2017 mehr als 70 Menschen. Hinterbliebene haben nun in der Ruine Handabdrücke mutmaßlicher Opfer entdeckt. Nun streiten sie mit den Behörden über den Abriss.
Mann wegen Missbrauchs eines Mädchens zu jahrelanger Haft verurteilt: Er hat ein Kind aus einem Freizeitbad gelockt und es dann missbraucht: Ein Mann ist zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Der Vater des Mädchens kritisiert den Betreiber des Erlebnisbads.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Instagram-Foto von Mitgliedern der »Letzten Verteidigungswelle«
Foto:Terror aus dem Kinderzimmer: Neonazis im Alter von 14 bis 21 Jahren sollen Anschläge auf Migranten und Linke geplant und begangen haben: Acht Verdächtige müssen jetzt vor Gericht. Wollten sie Menschen ermorden?
Was heute weniger wichtig ist
Sänger Idol: »Man braucht Energie, um ein Drogenabhängiger zu sein«
Foto:Sebastian Dammark / Gonzales Photo / picture alliance
Wilde Drogengeschichten: Punksänger Billy Idol, 70, behauptet, seine Heroinsucht einst mit einer anderen Droge bekämpft zu haben: »Wenn du versuchst, von Heroin loszukommen, wozu greifst du dann? Du greifst zu etwas anderem. Ich habe angefangen, Crack zu rauchen, um von Heroin loszukommen«, sagte Idol in einem Podcast – und behauptete: »Es hat funktioniert.« Inzwischen lebe er aber ruhiger und gesünder. »Man braucht Energie, um ein Drogenabhängiger zu sein. Und ich habe diese Energie nicht.«
Aus dem Pfarrbrief der katholischen Gemeinde St. Matthias in Neuwied
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Thomas Plaßmann
Das geöffnete Fenster: Ein »Dogma« in deutschen Haushalten?
Foto:Sheldon Wood / Getty Images
Könnten Sie vielleicht mal wieder lüften. Schließlich empfiehlt das Umweltbundesamt ein Stoßlüften morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen, wie mein Kollege Lukas Brems schreibt. Warum der SPIEGEL darüber berichtet? Weil das offenbar besonders in Deutschland beliebte Stoßlüften in den USA zum Social-Media-Phänomen geworden ist: »House burping« (Haus-Rülpsen) nennt sich der Trend, den Influencer und US-Medien auf einen deutschen Brauch zurückführen. Auf TikTok kann man nun also Menschen zusehen, wie sie ihre Fenster und Türen aufreißen, als wäre das eine völlig neue Idee.
Lukas hat mit Anja Daniels von der sehr deutsch klingenden Innenraumlufthygienekommission des Umweltbundesamts darüber gesprochen, ob das Lüften tatsächlich eine deutsche Vorliebe ist, wie man es richtig macht und warum es aus der Zeit fällt: »Die deutschen Lüftgewohnheiten stehen mit modernem Gebäudebau nicht im Einklang«, schreibt Lukas. Wann Lifestyle-Lüften also angebracht ist und wann nicht, lesen Sie in seinem Text:
Die Wissenschaft der rülpsenden Häuser.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Judith Horchert, Blattmacherin in der Chefredaktion

vor 4 Stunden
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