MWC: Smartphone für unter 40 Dollar: Wie 3 Milliarden Menschen online kommen sollen

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Ein Smartphone für Einsteiger kostet hierzulande etwa 200 Euro, manche bekommt man auch etwas günstiger. Für viele Menschen ist das immer noch zu viel Geld. Die Global System for Mobile Communication Association (GSMA), die weltweit über 800 Mobilfunkanbieter und 200 Hersteller von Mobiltelefonen und Netzwerkinfrastruktur vertritt, versucht hier Abhilfe zu schaffen. Schon dieses Jahr könnte ein Smartphone für weniger als 40 US-Dollar Realität werden.

3,1 Milliarden Menschen leben der GSMA zufolge in Gebieten, die zwar mit Mobilfunk und damit auch mobilem Internet versorgt sind, sich aber kein Gerät leisten können, um dieses zu nutzen. Das entspricht rund 38 Prozent der Weltbevölkerung. Diese Lücke will die GSMA schließen, und zwar mit einem besonders günstigen Smartphone. Unter 40 US-Dollar, vielleicht gar nur 30 US-Dollar soll es kosten – angesichts steigender Kosten für Speicherbausteine und andere Komponenten ein radikaler Preis. Zum Vergleich: Deutsche Kunden zahlen laut Bitkom im Schnitt gut 600 Euro für ein neues Smartphone, vor allem der High-End-Bereich wächst. Auf dem MWC hört man aus Herstellerkreisen, dass es bei den aktuellen Speicherpreisen kaum noch möglich sei, ein Smartphone für 200 Euro mit Gewinn zu verkaufen.

Im Jahr 2024 rief die GSMA dafür die Affordable Handset Coalition ins Leben, die seitdem schon einiges erreicht und einige Partner an Land gezogen hat. An dem ehrgeizigen Projekt, das sich zunächst auf den afrikanischen Kontinent konzentriert, sind sechs Mobilfunkprovider beteiligt: Airtel, Axian Telecom, Ethio Telecom, MTN, Orange und Vodacom aus der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Nigeria, Ruanda, Tansania und Uganda. Auch OEM-Hersteller sind an Bord, deren Namen nennt die Organisation bislang jedoch nicht. Die GSMA plant, das Projekt auf weitere Länder und Regionen auch außerhalb Afrikas auszuweiten.

Bei so einem Preis ist natürlich kein Smartphone denkbar, das technisch in einer Liga mit aktuellen Oberklassemodellen spielt. Es wird sich um 4G-fähige Endgeräte mit einfacher, aber robuster Ausstattung handeln. Genaueres tüfteln die beteiligten Provider und OEM-Hersteller gerade aus.

Damit überhaupt so ein günstiges Smartphone entstehen kann, ist die Initiative auf Hilfe von außen angewiesen. Wie Alix Jagueneau, Head of External Affairs der GSMA, im Gespräch mit heise zu Protokoll gibt, geht es dabei weniger um direkte finanzielle Zuwendungen, sondern eher um steuerliche Erleichterungen. Würden für das Projekt etwa Zölle für Ein- und Ausfuhr der Rohstoffe und Komponenten sowie Steuern auf Ein- und Verkauf erlassen, sei schon viel erreicht. Die sechs beteiligten Mobilfunkanbieter in Afrika und die beteiligten OEM-Hersteller dürften kurzfristig kaum an dem Projekt verdienen, könnten aber mittel- bis langfristig durch den gewachsenen Kundenstamm profitieren, so Jagueneau weiter.

Ein Teil der Lösung, um die Lücke der Menschen ohne mobiles Endgerät zu schließen, könnten auch wiederaufbereitete, gebrauchte Smartphones sein. Solche als „refurbished“ verkauften Smartphones erfreuen sich angesichts gestiegener Preise auch in westlichen Märkten steigender Beliebtheit, allerdings meist in höheren Preisklassen. Alleine in Deutschland liegen nach Schätzungen zwischen 120 Millionen und 190 Millionen abgelegter Smartphones in Schubladen und Schränken, in Europa sollen es insgesamt über 640 Millionen sein. Einige davon könnten ergänzend zum angedachten Smartphone unter 40 US-Dollar helfen, doch viele davon sind zu teuer oder beschädigt. Mehr als einen kleinen Beitrag zur Lösung sieht Alix Jagueneau im Gespräch nicht.

Die GSMA hofft, noch in diesem Jahr ein konkretes Produkt vorstellen zu können. Spätestens zum MWC in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, im Juni dieses Jahres will die Organisation weitere Neuigkeiten zur Affordable Handset Coalition verkünden. Dort soll auch der erste Prototyp des Sub-40-Dollar-Smartphones erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

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(sht)

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