Um Punkt 12 Uhr lästert Donald Trump über Angela Merkel. Er habe Differenzen mit der Kanzlerin gehabt, sagt Trump. Mit ihrer Einwanderungs- und Energiepolitik habe Merkel Deutschland geschadet. Merz sei ja, sagt Trump, ziemlich genau das Gegenteil von Merkel. Merz deutet ganz kurz ein Lächeln an, verzichtet aber auf jede Bewertung von Trumps Aussage.
Vielleicht hat Friedrich Merz seine Körpersprache bewusst gewählt. Zurückgelehnt, tief hinten im Sessel sitzend, seine langen Beine übereinandergeschlagen, die Hände weithin gefaltet, verfolgt er die langen, mäandernden Ausführungen des Gastgebers. Meist blickt Merz ernst, mal nachdenklich, während Trump über die Lage im Iran redet. Merz’ Körpersprache lässt erkennen, was er sich wohl vorgenommen hat: Nur nicht nervös machen lassen.
Drittes Treffen im Oval Office
Washington, Weißes Haus, Oval Office, Dienstagmittag Ortszeit: Zum dritten Mal seit seiner Wahl zum Bundeskanzler ist Merz einer Einladung Trumps gefolgt. Im Juni vorigen Jahres kam er zum Antrittsbesuch, kurz darauf mit Wolodymyr Selenskyj und anderen europäischen Amtskollegen. Nun ein zweites Mal allein, als erster Regierungschef nach dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran am Samstagabend.
Daniel Sturm / Melanie Probandt
Das Hauptthema der Gespräche ist damit gesetzt. Trump feiert sich und seine angeblichen Erfolge gewohnt unbescheiden. Der oberste Führer sei ausgeschaltet, und es sei heute ein weiterer Schlag gegen die neue Führung gelungen, sagt Trump, und kündigt an: „Wir werden weitermachen.“ Alles läuft prima, das will Trump suggerieren. Auf die Börse geht er dabei einmal nicht ein.
Mit Amtsantritt 2025 hat Trump Pressekonferenzen weitgehend ersetzt durch die von ihm dirigierte Show vor den vorwiegend amerikanischen Medien im Oval Office. An diesem Dienstag ist Trumps Mitteilungsbedürfnis besonders groß. In dem knapp 45-minütigen Auftritt mit Merz hat er einen Redeanteil von wohl 95 Prozent.
Hoher Druck, große Bühne
Der Druck auf Trump ist enorm, das ganze Treffen vor der Presse (es folgt ein Mittagessen ohne Medien) ist weit ernster, weniger jovial als im Juni. Trump startet gleichwohl mit einer Charmeoffensive, preist Merz als „respektierten“ Mann, als „Freund“, der „einen sehr guten Job“ mache und beliebt sei. Deutschland sei „großartig“ und „fantastisch“.
„Erleichtert“ sei die Bundesregierung, „dass dieses Mullah-Regime jetzt an sein Ende kommt“, hatte Merz am Sonntag in Berlin gesagt. Auf Kritik an den USA oder Israel verzichtete der Kanzler, anders als andere europäische Amtskollegen, wie etwa der Spanier Pedro Sanchez. Der Kanzler wollte sein Treffen mit Trump nicht vorbelasten.
Wir wollen nichts mit Spanien zu tun haben.
Donald Trump
Und am Dienstag, im Oval Office? Da setzt Merz einen anderen Akzent als Trump, sagt, er wolle auch über den Tag nach Ende des Konflikts mit dem Iran reden. Man sei sich einig, das Regime in Teheran loswerden zu wollen. Trump äußert sich positiv über Deutschlands Rolle im aktuellen Konflikt. Der Präsident sagt, er erwarte nicht, dass Deutschland Bodentruppen entsende. Deutschland sei ein „respektiertes Land“, mit dem er eine „sehr gute Beziehung“ habe. Umso drastischer aber attackiert er Großbritannien und Spanien.
Streit über Spaniens Rolle
„Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten“, sagt Trump: „Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen.“ Außerdem trage Madrid das Fünf-Prozent-Ziel der Nato nicht mit. Trump sagt, er sei dafür, alle Geschäfte mit Spanien abzubrechen: „Also werden wir den gesamten Handel mit Spanien einstellen. Wir wollen nichts mit Spanien zu tun haben.“
Hier widerspricht Merz nicht etwa, auch wenn die Handelspolitik in den Händen der EU liegt. Nein, der Kanzler legt bei der Kritik an Spanien noch nach. Er wolle Spanien überzeugen, drei oder dreieinhalb Prozent Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt zu erreichen. „Spanien ist das einzige Land, das nicht bereit ist, dies zu akzeptieren“, sagt Merz. Auch die Kritik Trumps an Großbritannien – es geht um die zeitweise Weigerung, Militärstützpunkte zu nutzen – lässt Merz stehen. Erst am Sonntag hatte er mit London und Paris eine gemeinsame Erklärung zum Nahen Osten vorgelegt. Kein Wort dazu. So viel zu Europas Rolle.
Doch der Kanzler wollte in Washington nicht nur über den Nahen Osten sprechen, sondern auch über den für Deutschland noch näheren Osten: Russlands Krieg gegen die Ukraine. Trump ergreift abermals keine Partei, sagt, er beschuldige mal den einen, mal den anderen. Merz sagt, der Ukraine dürften keine Gebietsabtretungen auferlegt werden. Dazu kommt kein Wort von Trump.

vor 21 Stunden
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