Beim Nationalen Volkskongress in Peking hat die Regierung 4,5 Prozent Wachstum als Ziel ausgegeben. China könnte sich auch langfristig auf geringeres Wachstum einstellen.
5. März 2026, 3:26 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, mm
China hat zum Beginn des Nationalen Volkskongresses das niedrigste Wachstumsziel für seine Wirtschaft seit Jahrzehnten ausgegeben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2026 um 4,5 bis 5 Prozent wachsen, hieß es im Arbeitsbericht der Regierung, den Ministerpräsident Li Qiang in der Großen Halle des Volkes in Peking vorstellte. In den vergangenen Jahren hatte die kommunistische Führung das Wachstum stets mit rund fünf Prozent angesetzt. Ein Wert von 4,5 Prozent war zuletzt im Jahr 1991 angestrebt worden.
Die neue Untergrenze deutet darauf hin, dass China sich langfristig auf moderateres Wachstum einstellen könnte und seine Erwartungen stärker an Prognosen internationaler Organisationen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) anpasst. Die chinesische Regierung senkt damit auch den Erfolgsdruck in global unsicheren Zeiten mit Kriegen etwa in der Ukraine und im Iran sowie dem Handelsstreit mit den USA unter Präsident Donald Trump. Experten zweifeln schon länger daran, dass Chinas Wirtschaftsdaten die Realität in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt vollständig widerspiegeln.
Mehr Geld für Verteidigung
Die chinesische Führung gab zudem bekannt, dass sie die Verteidigungsausgaben 2026 weiter steigern will, und zwar um sieben Prozent. Die Ausgaben sollen rund 1,9 Billionen Yuan – umgerechnet rund 238 Milliarden Euro – betragen, etwa ein Drittel des US-Verteidigungsbudgets. Im vergangenen Jahr hatte der Zuwachs 7,2 Prozent betragen.
Die Zusammenkunft der chinesischen Legislative ist Teil des größten politischen Ereignisses des Jahres in China, der bis zum 11. März andauernden "Zwei Sitzungen". Bereits am Mittwoch begann die Sitzung der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, einem politischen Beratungsgremium ohne Entscheidungsbefugnis.
Chinas Wirtschaft kämpft seit Jahren mit den Nachwirkungen einer Immobilienkrise und einer schwachen Nachfrage im Inland. Als Folge der sinkenden Wohnungspreise halten Immobilienbesitzer ihr Geld zusammen und kaufen weniger. Parallel produzieren von der chinesischen Regierung geförderte Sektoren deutlich mehr Waren, als der Markt aufnehmen kann. Die Folgen sind ein harter Preiskampf wie in der Elektroautobranche oder Billigexporte in andere Märkte, die sich dagegen teils mit Handelsbarrieren schützen.

vor 3 Stunden
2










English (US) ·