Seit Samstag stecken Zehntausende deutsche Urlauber in der Golf-Region in einem Kriegsgebiet fest. Doch nun zeichnet sich eine langsame Entspannung der Situation ab. Am Dienstag ist eine erste Maschine der Fluggesellschaft Emirates in Frankfurt gelandet. Sie hat in Dubai gestrandete Urlauber nach Deutschland zurückgebracht.
Am Abend soll zudem in München ein weiterer Emirates-Sonderflug aus Dubai landen. An Bord werden auch rund 200 Gäste des Reiseanbieters Tui sein.
Am Mittwoch wird der erste von der Bundesregierung gecharterte Flieger von Maskat im Oman aus nach Deutschland fliegen. Mit diesem würden Alte, Kranke, Schwache, Schwangere und Kinder nach Hause gebracht, erklärte Außenminister Johann Wadephul (CDU).
Als erfolgreicher Krisenmanager steht Wadephul aufgrund dieser ersten Rückholflüge allerdings nicht da. Denn dafür war sein Krisenmanagement in den vergangenen Tagen zu ungeschickt.
Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte.
Außenminister Johann Wadephul (CDU)
Zunächst bewies Wadephul wenig Mitgefühl für jene Deutschen, die sich in Touristengebieten wie Dubai plötzlich mit iranischen Drohnenangriffen konfrontiert sahen. Spätestens am Montagabend offenbarte der Außenminister im „heute-journal“ des ZDF zudem, dass er in dieser Krisensituation nicht faktensicher ist.
Für Irritationen sorgte bereits Wadephuls Auftritt am Sonntagabend in der ARD-Sendung von Caren Miosga. Dort gab der CDU-Politiker den im Kriegsgebiet feststeckenden deutschen Urlaubern eine gehörige Mitverantwortung für ihre Situation.
„Es war nicht ganz unbekannt, dass das gefährlich werden könnte“, sagte er zur Entwicklung am Golf. Deshalb habe man schon seit sechs Wochen vor Reisen in die Region gewarnt. „Keiner wusste, dass es zu dieser Zuspitzung kommen würde, aber es musste damit gerechnet werden“, meinte Wadephul. Staatliche Rückholaktionen schloss er deshalb zunächst aus.
Im Auswärtigen Amt (AA) gewann man aber wohl schnell den Eindruck, dass diese Ansprache an die betroffenen Urlauber politisch unglücklich ist. Also entschied das AA am Montag kurzfristig, dass der Minister selbst eine Rückholaktion für vulnerable Gruppen verkünden sollte.
Keine offizielle Reisewarnung
Reise-Fachleuten erschienen Wadephuls Worte aber nicht nur als recht kühl, sondern auch als weltfremd. Zwar hatte das Auswärtige Amt auf seiner Homepage in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, dass ein möglicher Krieg von Israel und den USA mit dem Iran Auswirkungen auf die gesamte Region haben und auch den Flugverkehr treffen könnte.
Eine formale Reisewarnung für die Golfstaaten erfolgte jedoch erst am Samstag, nach Ausbruch des Krieges. Erst nach einer solchen offiziellen Reisewarnung können Pauschalreisende kostenlos von ihrem Urlaub zurücktreten. Und erst nach einer Reisewarnung schicken Reiseanbieter, die bei Flügen und Unterkünften in Vorleistung gegangen sind, keine Urlauber mehr in die betroffenen Länder.
Im „heute-journal“ fragte Moderatorin Marietta Slomka den Außenminister deshalb mehrmals, warum es keine offizielle Reisewarnung für die Golfstaaten gegeben hat.
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In dem Interview offenbarte Wadephul schließlich, dass er nicht genau wusste, in welcher Form das Auswärtige Amt vor Reisen in die Golf-Region gewarnt hat. Mehrfach beharrte der CDU-Politiker fälschlicherweise darauf, dass es eine offizielle Reisewarnung gegeben habe.
Am Dienstag räumte Wadephul auf dem Portal X schließlich seinen Irrtum ein. „Die formelle Reisewarnung für die Golfstaaten besteht in der Tat seit dem 28. Februar“, stellte der Außenminister klar.
Umso mehr muss sich Wadephul nun die Frage gefallen lassen, ob er für die Betroffenen unmittelbar nach Kriegsausbruch die richtigen Worte gefunden hat.

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