Wegen Disney+-Serie »Love Story«: Daryl Hannah bricht ihr Schweigen über Beziehung mit JFK Jr.

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»Ein realer Mensch ist kein erzählerisches Mittel«: Die Schauspielerin Daryl Hannah, 65, hat sich gegen ihre Darstellung in der Serie »Love Story« gewehrt – und damit ihr jahrzehntelanges Schweigen über ihre Beziehung zu John F. Kennedy Jr. gebrochen. Hannah und der 1999 tödlich verunglückte Politiker hatten Anfang der 1990er Jahre eine On-Off-Beziehung geführt, kurz bevor JFK Jr. mit seiner späteren Ehefrau Carolyn Bessette-Kennedy zusammenkam. Die Disney+-Serie »Love Story« lenkt nun den Fokus auf die Ehe der beiden, auch Hannahs Figur ist Teil der Erzählung.

Das aber offenbar ohne Daryls Zustimmung. Eigentlich habe sie sich dagegen entschieden, auf Berichterstattung über sich zu reagieren, schrieb Hannah nun in einem Essay in der »New York Times« . Sie sei, so schreibt Hannah, »seit Langem der Überzeugung, dass die Auseinandersetzung mit Verfälschung diese oft nur verstärkt«. Nun aber zwinge sie »Love Story« doch zu einer Reaktion. Behauptungen, die die Serienmacher über sie und ihr Verhalten aufgestellt hatten, seien schlichtweg falsch.

 »Im digitalen Zeitalter verschwinden Geschichten nicht«

Schauspielerin Daryl Hannah: »Im digitalen Zeitalter verschwinden Geschichten nicht«

Foto: Jordan Strauss / Invision / AP

»Die in der Serie dargestellte Figur ›Daryl Hannah‹ ist nicht einmal annähernd eine akkurate Darstellung meines Lebens, meines Verhaltens oder meiner Beziehung zu John. Die mir zugeschriebenen Handlungen und Verhaltensweisen sind unwahr«. Sie habe, so schreibt Hannah, nie Kokain konsumiert oder kokaingetriebene Partys veranstaltet.

Und weiter: »Ich habe nie jemanden zur Heirat gedrängt. Ich habe nie ein Familienerbstück geschändet oder eine private Gedenkfeier gestört. Ich habe nie eine Geschichte in der Presse lanciert. Ich habe Jacqueline Onassis’ (Mutter von JFK Jr., Anm. d. Red.) Tod nie mit dem eines Hundes verglichen.« Es sei »entsetzlich«, dass sie sich gegen eine TV-Sendung verteidigen müsse. Die Darstellung ihrer Person gehe jedoch über eine kreative Ausschmückung ihrer Figur hinaus – und habe außerdem eine geschlechtsspezifische Dimension.

»Die Popkultur hat lange Zeit bestimmte Frauen erhöht, indem sie andere als Rivalinnen, Hindernisse oder Bösewichte dargestellt hat. Ist es nicht typisch frauenfeindlich, eine Frau herabzusetzen, um eine andere aufzubauen?«

Daryl Hannah erhielt Drohungen

Die Konsequenzen der medialen Aufbereitung ihrer Person habe sie unmittelbar zu spüren bekommen, so Hannah. Seit der Ausstrahlung – die Serie wurde Mitte Februar veröffentlicht – habe sie feindselige und sogar bedrohliche Nachrichten erhalten. Die Zuschauer, wehrt sich Hannah in ihrem Essay, hielten die Darstellung offenbar für wahr. Das könne ihren Ruf dauerhaft schädigen.

John F. Kennedy Jr. und seine Ehefrau Carolyn Bessette-Kennedy im März 1999. Im Juli desselben Jahres starben beide bei einem Helikopter-Absturz.

John F. Kennedy Jr. und seine Ehefrau Carolyn Bessette-Kennedy im März 1999. Im Juli desselben Jahres starben beide bei einem Helikopter-Absturz.

Foto: Arnaldo Magnani / Getty Images

Daryl Hannah wurde schon früh in ihrem öffentlichen Leben mit Berichterstattung über sich konfrontiert. Ihre Beziehung zu JFK Jr., die Anfang der 1990er Jahre publik wurde, war schon immer Teil des öffentlichen Interesses. Sie habe deshalb einen »weisen Rat« von Kennedys Mutter Jacqueline Onassis erhalten. »Sie sagte, Boulevardzeitungen, Magazine und Zeitungen würden zwar oft absurde Lügen verbreiten, aber am nächsten Tag seien sie nichts weiter als Vogelstreu. Damals fand ich großen Trost in diesen Worten.«

Diese Worte hätten heute jedoch ihre Gültigkeit verloren, mahnt Hannah.

»Im digitalen Zeitalter verschwinden Geschichten nicht, die Nachrichten von gestern werden nicht mit der Morgenzeitung weggeworfen, und Lügen leben online für immer weiter. Sie werden archiviert, gestreamt, ausgeschnitten, zu Memes verarbeitet und immer wieder aufgegriffen. Eine dramatisierte Darstellung kann für Millionen von Zuschauern zur endgültigen Version des Lebens einer realen Person werden.«

Ihr Privatleben und ihre Lieben hat Hannah nach eigenen immer vor der Öffentlichkeit schützen wollen - seit 2018 ist sie mit dem Musiker Neil Young verheiratet. Nun aber müsse sie ihren Ruf verteidigen, auch weil sie seit Jahren als Umweltaktivistin arbeite und dieser Beruf auf Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein basiere.

Auch die Verwandtschaft von JFK Jr. wehrt sich

Hannah ist nicht die einzige Person aus dem Kennedy-Umfeld, die die Machart von »Love Story« verurteilte. Auch der Neffe von John F. Kennedy Jr., der US-Politiker Jack Schlossberg, kritisierte Produzent Ryan Murphy scharf. Murphy verdiene »ein Vermögen mit der Zurschaustellung des Lebens anderer«, sagte der 33-jährige Schlossberg vor wenigen Tagen in einem Interview – und ätzte: »Wenn ihr jemanden kennenlernen wollt, der noch nie jemanden aus meiner Familie getroffen hat und nichts über uns weiß, dann sprecht mit Ryan Murphy. Der Typ hat keine Ahnung, wovon er redet.«

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